Mit dem digitalen Auge sieht man besser

SMARTER TENNISPLATZ - Analyse-System hilft Trainern beim Oldenburger TeV speziell auch in Corona-Zeit (Bild: Piet Meyer)
[2020-11-11]
Mit dem digitalen Auge sieht man besser
Ein Analyse-System hilft den Trainern beim Oldenburger TeV speziell auch in der Corona-Zeit. Ein „digitaler“ Netzpfosten zeichnet das Geschehen auf dem Platz auf.

Fast 150 Jahre nach der Erfindung des Rasentennis durch Walter Clopton Wingfield, der 1974 ein Set mit Bällen, Netz, Pfosten, Schlägern, Linienmarkern und Anleitung anbot, sorgt erneut eine Wingfield-Box für Aufsehen. Die steckt aber voll modernster Technik und kommt nicht vom englischen Tennisvisionär. Hinter der Innovation, die Trainern und Aktiven speziell in der Corona-Krise die Zusammenarbeit erleichtert, steckt ein Start-Up aus Hannover. Auch wegen der Einschränkungen durch die Pandemie sind sie beim Oldenburger TeV froh, schon seit einem Jahr mit dem smarten System arbeiten zu können.

Hawkeye viel teurer

„Das Tracking-System eignet sich hervorragend zur Trainingsanalyse“, erklärt OTeV-Coach Daniel Greulich, der mit Kollege Sinisa Orlovic 50 Prozent der Kosten getragen hat. Die andere Hälfte übernahm der Verein. Während das aus dem Profibereich bekannte Hawkeye-System weit über 100 000 Euro koste, sei das Wingfield-System bereits für 4500 Euro zu haben und so für die Vereine auch bezahlbar.

Drei Kameras

„Das System bietet mir die Möglichkeit, den Spielern meine Erkenntnisse und Beobachtungen auch visuell zu vermitteln“, sagt Greulich über die Wingfield-Box, die in der Tennishalle des Oldenburger Tennisvereins am Johann-Justus-Weg einfach anstelle eines normalen Netzpfostens platziert wurde. Darin verbaut sind zwei Hochleistungskameras, die jeweils das Geschehen auf einer Spielhälfte des Courts aufzeichnen. Eine weitere Kamera am Platzende zeigt das Gesamtgeschehen.

Auf Handy und Tablet

Die Daten werden digital analysiert und per App auf ein Handy oder ein Tablet geschickt. Es wird alles erfasst, was für Spieler und Trainer wichtig ist: Punkte, Fehler, Schlagarten, Treffpunkte, Gewinnschläge, Spinarten, Schlagpositionen, Aufprallpunkte der eigenen Bälle in der gegnerischen Hälfte und etliche Details mehr.

Aus der Distanz

„Jetzt in der Corona-Zeit hat es zudem den Vorteil, dass ich nicht direkt mit auf dem Platz stehen muss“, betont Tennisschulen-Leiter Orlovic. Da Tennis zum Individualsport zählt, kann der Betrieb beim OTeV auf der eigenen Anlage auch im November-Lockdown weitergehen. „Ich kann die Spieler aus einem Nebenraum beobachten und trotzdem anschließend auf Details eingehen, die ich ohne das Wingfield-System aus der Distanz gar nicht so genau hätte erkennen können“, sagt Greulich, der also mit dem digitalen Auge sogar besser sieht.

Smartes System hilft

„Theoretisch dürfte ich mit zwei Schülern aus unterschiedlichen Haushalten pro Platz trainieren, muss dabei allerdings passiv wirken, also maximal den Ball von der Seite einspielen“, erklärt Greulich, der in diesem Fall seinen Beruf als Tennistrainer ausübt und nicht selber sportlich aktiv ist. Auch Doppel wären möglich, wenn die Paarung nur aus zwei Haushalten stammt. Grundlage für den Trainingsbetrieb sind natürlich Hygienekonzept und Abstandsregeln. Beim Einhalten hilft das smarte Wingfield-System.

Bericht von Jan Zur Brügge und Bernd Teuber (NWZ 11.11.2020)

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